Dragon ist Microsoft-owned, Windows-zentriert und hat Cloud-Modi die § 203 StGB nicht entsprechen. Was lokale KI 2026 besser macht.
Freitagabend, zwanzig Seiten Schriftsatz, Abgabe Montag früh. Viele Kanzleien setzen in diesem Moment auf Dragon Professional oder tippen. Beides kostet mehr als nötig, und eines davon hat ein Datenschutzproblem.
Dragon Professional ist seit Jahrzehnten der Standard für Diktat in deutschen Kanzleien. Das ist historisch nachvollziehbar. In den neunziger und nuller Jahren war Dragon die einzige ernsthafte Option für deutsche Spracherkennung. Der Standard blieb, die Technik darunter veränderte sich.
Dragon Professional kostet je nach Version zwischen fünfhundert und tausend Euro als Einmallizenz. Dazu kommen Supportkosten, gelegentliche Upgrade-Lizenzen und bei neueren Versionen teilweise Abo-Komponenten.
Wichtiger: Nuance wurde 2022 von Microsoft übernommen. Dragon ist seitdem ein Microsoft-Produkt. Neuere Versionen von Dragon Professional enthalten Cloud-Modi, die Audiodaten an Microsoft-Server übertragen. Wer den Cloud-Modus nicht ausdrücklich deaktiviert, sendet Mandantengespräche an einen US-amerikanischen Anbieter.
Dragon läuft primär auf Windows. Die macOS-Version wurde 2023 eingestellt. Wer Dragon auf einem Mac mit Apple Silicon betreiben will, braucht eine Emulationsschicht oder eine Virtualisierungslösung. Beides ist möglich, aber zusätzlicher Aufwand, und die Performance entspricht nicht der nativen Apple-Silicon-Geschwindigkeit.
§ 203 StGB regelt das Berufsgeheimnis. Rechtsanwälte sind demnach verpflichtet, Mandanteninformationen geheim zu halten. Verstöße sind mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr bedroht. Das ist keine Formalität.
Für die Wahl einer Diktierlösung bedeutet § 203 StGB eine technische Anforderung: Mandantendaten dürfen nur an Dritte weitergegeben werden, wenn ein entsprechender Erlaubnisrahmen besteht. Cloud-Diktierlösungen, bei denen Audioaufnahmen an Server eines Drittanbieters gehen, sind ohne explizite Zustimmung des Mandanten problematisch.
Das betrifft Dragon Professional im Cloud-Modus. Das betrifft Apple Diktat, das über Apple-Server läuft. Das betrifft Wispr Flow, das die OpenAI-API in den USA nutzt. Und es betrifft alle anderen Cloud-Dienste, bei denen Sprachdaten das Gerät verlassen.
Lokale Verarbeitung ist in diesem Kontext keine Designpräferenz, sondern die einzige technische Umsetzung, die § 203 StGB strukturell entspricht, ohne Mandanteneinwilligung oder aufwendige vertragliche Konstruktionen.
Das Argument für Dragon war lange Zeit die Genauigkeit. Kein anderes lokal laufendes Tool kam an Dragon heran. Das hat sich geändert.
FluidAudio Parakeet TDT 0.6B v3 ist ein Transkriptionsmodell, das auf der Apple Neural Engine läuft. Es wurde für CoreML kompiliert und verarbeitet Audio direkt auf dem Chip jedes Macs mit Apple Silicon ab M1. Die Wortfehlerrate für deutsche Sprache liegt bei vier bis fünf Prozent, ein solider Wert auch für juristische Fachbegriffe, Paragrafen-Verweise und die langen Nominalphrasen deutscher Schriftsätze.
Ein nachgelagertes Qwen-Modell übernimmt die Nachbearbeitung: Satzzeichen, Paragrafzeichen, Formatierung. Das Ergebnis ist direkt verwertbarer Text, der in jeden Textbereich des Macs eingefügt werden kann, in Kanzlei-Software, in Word-Dokumente, in E-Mail-Entwürfe.
Der Preis liegt bei acht Euro pro Monat oder einhundertfünfzig Euro als Lifetime-Kauf. Zum Vergleich: Dragon Professional ab fünfhundert Euro, ohne laufende Apple-Silicon-Unterstützung.
Wer die Alternativen zu Dragon im Detail vergleichen will, findet im Artikel zur DSGVO-konformen Dragon Alternative für den Mac eine direkte Gegenüberstellung. Und wer den rechtlichen Rahmen aus Perspektive der Mandatsführung beleuchten will, findet ihn im Beitrag zu lokaler KI-Diktierlösung für Anwälte.
Dragon Professional hat in deutschen Kanzleien eine lange Tradition. Die Gründe dafür waren berechtigt. 2026 hat sich das Bild aber verschoben: Dragon ist Windows-zentriert, Microsoft-owned, teuer und in neueren Versionen mit Cloud-Modi ausgestattet, die § 203 StGB nicht entsprechen.
Lokale KI auf Apple Silicon bietet heute vergleichbare oder bessere Genauigkeit, zu einem Bruchteil des Preises, ohne Cloud-Abhängigkeit und ohne das datenschutzrechtliche Risiko.
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